Bis ins 19. Jahrhundert wurde Tai Chi noch als effektive Kampfkunst trainiert. Es wurde lange geheim gehalten und nur innerhalb der Familie weitergegeben. Auch nach der "Öffnung" der Familientradition war es eher einem privilegiertem Personenkreis wie z.B. einigen wohlhabenden Chinesen oder hohen Militärs zugänglich. Auch kaiserliche Leibgarden wurden in Tai Chi Chuan ausgegildet. 1912 ging das Tai Chi Chuan "aus der Tür", d.h. von diesem Zeitpunkt an trat es erstmals aus einem begrenzten privaten Bereich heraus in die Öffentlichkeit.
Heute wird Tai Chi überwiegend unter dem Gesundheitsaspekt geübt, wofür es bestens geeignet ist. Gesundheit erhalten, das Leben verlängern, könnte das Motto lauten. Für uns Mitteleuropäer ist Tai Chi besonderst attraktiv weil es dem Bedürfnis nach angemessener Bewegung entgegenkommt und gleichzeit die Aspekte der Ruhe, Lockerheit und Entspannung, beeinhaltet.
Der traditionelle Wu-Stil
Der Wu-Stil ist einer der großen traditionellen Stile. Er wird seit 1986 durch Meister Ma Jiang Bao in Europa weitergegeben. Herr Ma ist ein Enkelsohn des Stilbegründers Wu Jian Quan, ein herausragender Kampfkünstler seiner Zeit. Auch die mittlerweile, in hohem Alter, verstorbenen Eltern von Herrn Ma gehören zu den berühmten Großmeistern des Wu-Stils.
Der Wu-Stil bietet ein umfangreiches Spektrum an Übungsformen. Die Basis ist die langsame lange Form, auch Gesundheitsform genannt. Sie ist sozusagen das Herzstück. Schon recht früh kann auch mit einfachen Partnerübungen, dem sogenannten Tui Sho oder Push Hands begonnen werden. Diese vermitteln in direktem Kontakt mit einem Partner ein erfahrbares Verständnis und ein Vertiefen der Form. Desweiteren gibt es auf fortgeschrittenerem Level noch verschiedene Waffenformen und eine schnelle Form. Das Wu Tai Chi Chuan zeichnet sich durch seine klare Struktur und Genauigkeit aus.
Qi Gong
Qi Gong bedeutet etwa soviel wie "Arbeit mit der Lebensenergie". Ziel ist es die Lebensenergie im Körper anzureichern und deren freien Fluß zu gewährleisten. Es gibt verschiedene Arten von Qi Gong, um hier einige zu nennen: bewegtes Qi Gong, stilles Qi Gong (ohne äußere Bewegung), hartes Qi Gong, weiches Qi Gong, kämpferisches Qi Gong, heilendes Qi Gong. Die wohl bei uns bekanntesten Formen sind "die achtzehn Übungen des Taiji Qi Gong, "die acht Brokate" (Ba Duan Jin) und "das stille Qi Gong" nach Zhi Chang Li, München. Qi Gong ist, in aller Regel, erst einmal etwas leichter zu erlernen als die meisten Tai Chi Stile. Im Gegensatz zum Tai Chi spielt die Vorstellungskraft bei vielen Qi Gong Formen/Arten eine wesentliche Rolle. Gelegentlich wird auf die äußere Bewegung, bezügl. Korrektheit, weniger Wert gelegt wie auf das sogenannte "angenehme Qi Gefühl" im Körper. Inspiriert durch verschiedene Lehrer/innen, Meister/innen und Großmeister/innen unterrichte ich zur Zeit einen stilübergreifenden Mix, jeweils auf die verschiedenen Übungsgruppen ausgerichtet bzw. abgestimmt.